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Titel und Schlagworte dieses Gedankenanstoßes
»Getting Wintered«
Trainingsphilosophie, unsinnige Metriken, Überleben, bei sich bleiben

In einem meiner letzten Blogeinträge habe ich gesagt, „wer anpassungsfähig ist, wird überleben“. Aber wie wird man anpassungsfähig? Mit Anpassungsfähigkeit meine ich AUF KEINEN FALL mit dem Strom schwimmen. Oder das tun, was alle machen. DAS KOMMT NICHT IN FRAGE. Ich bin nicht alle. Ganz bestimmt nicht.

In der Kampfkunst gibt es das Prinzip, die Kraft des Gegners aufzunehmen und dann gegen ihn einzusetzen. Dazu muss ich anpassungsfähig sein. Dazu muss ich erstmal lernen, mit der Kraft des Gegners umzugehen. Anpassen heißt hier nicht aufgeben, sondern PASSGENAU REAGIEREN.

Ich betreibe fast seit 10 Jahren Kampfkunst. Neben dem Erlangen von Selbstverteidigungsfähigkeit und Durchsetzungskraft sind diese Künste für mich in erster Linie eine Weglehre. Eine Möglichkeit, mich selbst zu verändern. Hin zu dem, der ich sein will bzw. zu dem, der ich „eigentlich“ bin.

Trainingsphilosophie

Und damit kommen wir auch zu meiner Trainingsphilosophie beim Sport im Allgemeinen. Ich bin zwar Strava-Süchtig und zeichne alle meine sportlichen Aktivitäten mithilfe von Garmin-Geräten auf, aber ich spreche mich doch davon frei, einfach nur nach oberflächlichen Metriken zu trainieren. Nach einem langen Lauf oder einer langen MTB-Tour auf der Karte sehen zu können, wie weit man gelaufen oder gefahren ist, wieviele Höhenmeter man erlegt hat, das ist sehr befriedigend. Dennoch geht es nicht um die reinen Zahlen.

Strava #YEARINSPORT 2021; Klicken zum Vergrößern

Ist es jetzt besser 1.000, 2.000 oder 10.000 km im Jahr zu Laufen? Und wie schnell muss man denn 5.000 m laufen, um ein schneller Läufer zu sein? Ein ähnliches Problem gibt es beim Krafttraining. Wie viel Muskelmasse (und wie wenig Fett) braucht man, um sich kräftig oder muskulös nennen zu dürfen? In der Selbstverteidigungs-Kampfkunst ist es sogar noch schwieriger, denn da gibt es keine Metriken. (Aber vielleicht ist das auch gut so!)

Für mich geht es hier tatsächlich um eine höhere Sache. Ich trainiere Kampfkunst, ich mache Barfußläufe (ganz ohne Schuhe), Trailrunning mit Barfußschuhen, lange Mountainbiketouren, außerdem intensiv Krafttraining. Seit neustem bin ich auch noch auf den Geschmack gekommen und Schwimmer geworden, lerne derzeit Kraultechnik. Letztes Jahr habe ich sogar das erste Mal bei einem Triathlon mitgemacht. Ich habe schonmal den Rocky Mountain Bike Marathon gefahren, außerdem mache ich regelmäßig bei Laufwettkämpfen mit. Auch ein Obstacle Cross Race habe ich schon hinter mir. Da kommen wir schon eher in die richtige Richtung, worauf ich hier hinaus will. Doch wer so vieles auf einmal trainiert, kann in keiner einzelnen Sache wirklich gut sein. Das stimmt. Aber ich trainiere ja auch nicht für die einzelnen Sachen, sondern für das große Ganze, bzw. für meine persönliche, „universelle Fitness“. (Daher ist das Obstacle Cross Race schon eher ein gutes Beispiel, da muss man nämlich alles mögliche können, nicht „nur“ laufen, und es ist wie immer auch Kopfsache und etwas für den Geist.)

Getting Wintered – Abhärtung

Eine weitere „Sportart“, die ich aber nur im Winter betreibe, erklärt vielleicht am ehesten, worauf ich hier hinauswill. Das Eisbaden. Ich begebe mich zu einem See meiner Wahl, normalerweise mit ein bis zwei weiteren Verrückten, und bei 2-4 °C Wassertemperatur gehen wir nur mit Badehose bekleidet ins Wasser. Ich tauche mich bis zum Hals ein und stoppe die Zeit, und verweile so 2-5 Minuten. Ich kontrolliere die Atmung. Das muss man erstmal lernen. Dann raus und zügig abtrocknen und wieder anziehen. Das ist extrem gesund, aktiviert die Überlebensfunktionen des Körpers und danach fühlt man sich wie neu geboren. Der Körper schaltet mal alles überflüssige ab und konzentriert sich auf das Wesentliche – und ich behaupte, der Geist macht es dabei ebenso.

René Knipschild beim Eisbaden in einem 2 °C kaltem Teich; Klicken zum Vergrößern

Bei allem, was ich trainiere, geht es darum, dem Körper Reize zu geben, die ihn positiv verändern. Das beinhaltet natürlich auch Schmerz. In der Kampfkunst kriegt man mal einen Schlag, Kick oder Stock ab, beim Laufen tun die Füße weh. Das ist aber auch einfach geil! Wie Muskelkater nach dem Krafttraining. So muss das sein und man merkt, dass man lebendig ist. Und es prägt den Charakter und Geist positiv. Man sollte natürlich zwischen positivem Trainingsreiz und Selbstzerstörung unterscheiden. Daher belasten, leiden, regenerieren und freuen! Und das ist auch gut für die Seele. Ich behaupte: Das braucht man, um langfristig gesund zu bleiben.

Wer Sport macht, weiß, in einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist. All dies trainiert nicht nur den Körper, sondern den Geist genauso, bzw. manchmal vielleicht sogar noch mehr. Eine Extermwanderung, einen Extremlauf oder einen Bike Marathon schafft man letztendlich mit dem Kopf.

Natürlich soll das Training Spaß machen. Man muss einerseits lernen, sich zu quälen, aber es geht auch ums Genießen. Am Ende möchte ich mich universell trainieren, sodass ich immer mehr Kondition, Kraft und Kampfgeist erlange.

Strava #YEARINSPORT 2021 Foto-Highlights

Strava #YEARINSPORT 2021 hügeligste Aktivität

Sturz und Autounfall

Und das hilft mir letztendlich im ganzen Leben, im Alltag. Die Prinzipien, die man im Training erkannt hat, kann man im Alltag anwenden. Und es sind nicht nur die Prinzipien. Letztes Jahr habe ich drei Beispiele erlebt: Einmal bin ich heftig gestolpert, jeder andere wäre auf die Schnauze gefolgen. Ich habe einfach eine Rolle vorwärts gemacht und stand wieder auf den Beinen, weil mein Körper diesen Mechanismus aus der Kampfkunst automatisch macht. Zudem hatte ich einen Autounfall, den ich ohne jeden Kratzer überstanden habe. Obwohl ich ins Schleudern geraten bin, habe ich keine Hals- oder Rückenprobleme gehabt. Ich behaupte, mein gut traninierter Körper hat die Belastung verarbeiten können, meine Muskeln haben mich geschützt. Und auch eine Radiusköpfchenfraktur habe ich mir letztes Jahr durch einen Sturz beim Laufen zugezogen. Doch durch meine innere Einstellung habe ich mich nicht unterkriegen lassen. Nicht unbedingt auf Ärzte, sondern auf meinen Körper gehört. Schnell wieder leichtes Krafttraining gemacht, weiter trainiert, sodass ich nur kurz Muskelverlust hatte und schnell die Beweglichkeit therapiert und in den Optimalzustand zurückgekommen bin. Aber zurück zum normalen Alltag: Das Training ist ein Zufluchtsort, eine Insel der Ruhe. Genauso wie meine tägliche Meditation und Morgenroutine nach dem Aufstehen. Auch das ist ein Zufluchtsort für den Geist, der mich stärkt. Und so kann man die Kämpfe des Lebens gestärkt antreten.

Egoismus ist gut!

Es geht immer nur um mich. So ein egoistisches Arschloch, sagst Du? Mir doch egal! Es interessiert mich nicht, was andere von mir denken. Erstmal muss ich an mir arbeiten. Ich kann die Welt nicht verändern, wenn ich noch nichtmal mich selbst im Griff habe. Jede Veränderung beginnt im Innern. Und wenn ich fit bin, kann ich auch anderen Helfen und das Gute in mir nach außen tragen. Und ich behaupte, das mache ich auch. Das geht aber NUR, wenn ich mich um mich selbst kümmere und MICH NIEMALS vernachlässige. Dazu gehört übrigens auch, dass ich mich stark von der Medienwelt und niemals endenden Pushbenachrichtigungen abschotte. Ich lese nur alle vier bis acht Wochen Presse-Nachrichten – denn gerade aktuell bringen diese mich wirklich nicht weiter.

In diesem Sinne: Auf ein gutes Training 2022 und damit auf alles nötige, um allem, was kommt, begegnen zu können – und zu Siegen! Immer dranbleiben, egal was gerade ist. Training ist immer besser als kein Training. Wenn ich nicht hart trainiere, solange ich jung bin, habe ich nichts, wenn ich alt bin.

Metrik

Hier doch noch ein paar Metriken als finale Motivation von meinem/unserem aktuellen Silvesterlauf:

Alle Daten bei Garmin Connect ansehen

Silvesterlauf 2021 Laufteam

Silvesterlauf 2021 Strecke

René Knipschild am Sonntag, den 02. Januar 2022, um 21:16 Uhr
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